Was Düfte mit uns anstellen… und warum sie wirken!

Seit langem versuche ich die richtigen Worte zu finden, um zu erklären, was Düfte mit uns machen, wie sie wirken und warum sie derart tolle Helferchen sind.

In der wunderbaren Zeitschrift „ma vie“ (Nummer 3, 2016) habe ich einen Artikel über das Thema „Dufte Gefühle – wie Gerüche unsere Emotionen und unser Handeln leiten“ entdeckt.  Besser hätte ich es nicht beschreiben können, daher mache ich es mir jetzt einmal leicht und zitiere aus dem Artikel:

„Der Bruchteil einer Sekunde und plötzlich ist alles wieder da. Damals, das Sonnenlicht, das Meer, der Geruch von Salz und Tang, der sich mit den Spuren des Parfums an seinem Hals vermischt. Wohlige Wärme breitet sich im Körper aus, während der Kopf noch verwirrt ist – was war das jetzt eigentlich? Ein Hauch im Vorübergehen – denn das Äußere des fremden älteren Mannes, der eben vorbeiging, kann wohl kaum die Erinnerung hervorgelockt haben, die schon verloren schien – an ein Glück, das lange zurückliegt.

Gerüche sind so flüchtig wie das Leben, doch sie lösen sich nicht wirklich auf, sondern sie dringen als unsichtbare kleine Sinnes-Fährten über die Nase in unser Gehirn. Dort speichern sie Erinnerungen, die über Jahrzehnte erhalten bleiben und Teil unserer Erfahrung werden. Dieser Prozess ist so komplex und vielseitig, dass er Forschern immer noch viele Rätsel aufgibt. Denn die Art und Weise, wie spezielle Rezeptorzellen in der Nasenschleimhaut die chemischen Botschaft der Moleküle in elektrische Signale umsetzen und dann in Codes verschlüsseln, ist äußerst raffiniert. Über 400 verschiedene Geruchsrezeptoren sitzen in der Schleimhaut, meistens einzeln auf 30 Millionen Riechzellen verteilt, und jeder Duft erzeugt auf ihnen ein typisches Muster der Wahrnehmung, wie eine Art Blindenschrift. Tausend Milliarden unterschiedlicher Geruchsmuster können Menschen auf diese Art und Weise unterscheiden – weit mehr, als wir Worte dafür finden. Als winzige elektronische Gewitter werden ihre Botschaften dann in die unterschiedlichen Hirnregionen gesendet – landen in den Abteilungen für Wiedererkennung und Warnung, wo sie zum Beispiel Würgereize oder Hunger auslösen können. Andere aktivieren die visuelle Erinnerung und das Emotionszentrum, mit Abstechern zu den Zentren des Lernens und der Motivation.

Wie bei Tieren spielt auch beim Menschen die Nase eine wichtige Rolle. Beim Riechen geht es um viel mehr als nur um Identifizierung – es geht um ureigene Instinkt wie Liebe, Angst oder Hunger.

Sie erwecken vergessen geglaubte Erinnerungen zu neuem Leben, lenken Gefühle und versetzen uns in die unterschiedlichsten Stimmungen – Düfte haben mehr Einfluss auf unser Leben, als wir glauben.

„Unser Geist bemüht sich umsonst“, hatte Marcel Proust in seinem berühmten Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ geschrieben, als seinem Protagonisten bei dem Genuss einer ´Madleine´, eines französischen Gebäcks, seine längst verstorbene Lieblingstante in den Sinn kam. „Aber wenn von einer früheren Vergangenheit nichts existiert nach dem Ableben der Personen, dem Untergang der Dinge, so werden allein, zerbrechlicher aber lebendiger, immateriell und doch haltbar, beständig und treu, Geruch und Geschmack noch lange wie irrende Seelen ihr Leben weiterführen, sich erinnern, warten, hoffen, auf den Trümmern alles übrigens und in einem beinahe unwirklich winzigen Tröpfchen das unermessliche Gebäude der Erinnerung unfehlbar in sich tragen.“